 |
|
|
|
 |
 |
Rückenwind für Flugreisende in Deutschland: Wettbewerb über den Wolken verstärkt sich |
 |
 |
 |
Billigfluganbieter sorgen für Bewegung im Markt · Fliegen in der Economy Class ist auch im Jahresvergleich deutlich günstiger geworden
Frankfurt, 5. November: Die Tarife für Flugreisen von Deutschland aus sind in den vergangenen Monaten ungewöhnlich stark in Bewegung geraten. Der Grund dafür liegt in den Reaktionen der traditionellen Fluggesellschaften auf die weiteren Expansionsankündigungen von Billigfluganbietern. So fielen die durchschnittlichen Economy Class Tarife von Deutschland zu westeuropäischen Zielen im Quartalsvergleich um 8,5 % und im Jahresvergleich um 9,8 %. Diese Tarifsenkungen wirkten sich auch auf Flüge zu weltweiten Zielen aus. Economy Class Tarife von Deutschland in die weite Welt fielen – angetrieben durch die Tarifänderungen in Westeuropa – im Vergleich zum zweiten Quartal um 6,5 %. Diese Entwicklungen gehen aus der aktuellen Ausgabe des vierteljährlichen American Express European Corporate Travel Index (Quartal 3/2002) hervor.
Insgesamt haben sich die Flugtarife in Westeuropa im dritten Quartal kaum bewegt. Dies ist auf die nach wie vor geschwächte Wirtschaftslage zurückzuführen, von der auch die schon gebeutelte Flugbranche nicht unberührt geblieben ist. Auch die Flugtarife von Europa zu weltweiten Zielen haben sich im letzten Quartal nur geringfügig verändert: sie stiegen in der First und Business Class um 0,3 % bzw. 0,1 %, während sie in der Economy Class um 3,9 % gefallen sind.
Im Jahresvergleich sind auf europäischer Ebene die durchschnittlichen Business Class Tarife mit einer Verteuerung von 3,7 % recht stabil geblieben. Dagegen sind die Preise in der Economy Class im selben Zeitraum um 6,7 % gefallen. Die Flüge in Premium-Klassen nach Nordamerika, die zweifelsohne am profitabelsten für die Fluggesellschaften sind, haben sich leicht verteuert. In der Economy Class stiegen die Tarife von Westeuropa nach Nordamerika seit dem zweiten Quartal 2002 um nur 0,3 %, in der Business Class um 0,6 % und in der First Class um 0,4 %. Über ein Jahr gesehen lagen die Teuerungen bei 5,7 % (Economy), 7,4 % (Business) und 5,7 % (First). Für Flüge nach New York mussten nach wie vor Reisende ab London am tiefsten in die Tasche greifen: hier kostete der Flug im dritten Quartal in der Business Class durchschnittlich 6.352 Euro.
„Auf transatlantischen Strecken stehen die Fluggesellschaften unter großem Druck, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Obwohl die Auslastung nach wie vor geringer ist als noch vor einem Jahr, zögern die Fluggesellschaften bei Tariferhöhungen, denn die Geschäftsreisenden greifen weiterhin auf günstige Angebote zurück. Es gibt derzeit einige Business Travel Manager und Geschäftsreisende, die den Markt nach den günstigsten Tarifen abgrasen und sogar Umwege in Kauf nehmen, um Einsparungen zu erzielen“, erläutert Kaveh Atrak, General Manager und Vice President für American Express Corporate Travel in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Griechenland.
American Express Consulting Services ermittelt vier zentrale Marktfaktoren
Im dritten Quartal haben sich die Full Business Class Tarife stabilisiert – besonders über den Atlantik. Fluggesellschaften, die um die Zielgruppe der Geschäftsreisenden kämpfen, verzichteten vielfach auf die sonst üblichen Tariferhöhungen.
Billigfluggesellschaften, die hauptsächlich sekundäre Flughäfen bedienen, sind für Geschäftsreisende auf Kurzstrecken eine Alternative. In Deutschland hat der Markt bereits vor dem Eintritt neuer Billigfluggesellschaften reagiert. Hier sind die Economy Class Tarife gesunken, denn die etablierten Airlines haben auf den Wettbewerb reagiert.
Die Überkapazität in der Flugbranche sorgt weiterhin für Druck auf die traditionellen Fluggesellschaften und hält die Preise niedrig.
Restricted Business Class Tarife sind besonders auf Fernstrecken deutlich gesunken. Wenn Geschäftsreisende bereit sind, einige Restriktionen bei den Tickets in Kauf zu nehmen, wie minimaler Aufenthalt oder Rücktrittsgebühren, können sie von Einsparungen profitieren.
Die Entwicklung der Flugtarife in verschiedenen europäischen Ländern
Europäische Fluggesellschaften sind dem Beispiel von Großbritannien gefolgt und haben in Europa die Tarife gekürzt, um dem steigenden Wettbewerb durch die Billiganbieter standzuhalten. So sind die Tarife in Westeuropa in der Economy Class aufgrund von andauernden Tarifänderungen in einigen Märkten im Quartalsvergleich um 5,2 % und im Jahresvergleich um 6,7 % gesunken. Zudem wurden in der Restricted Business Class sowohl auf Kurz- als auch auf Fernstrecken einige besonders günstige Tarife eingeführt, um in der Nebensaison die Sitzplätze zu füllen.
Deutschland: Die Tarife ab Deutschland waren im dritten Quartal aufgrund des stärkeren Wettbewerbs durch die Billigfluggesellschaften recht sprunghaft. So fielen etwa die Economy Class Tarife in Westeuropa um 8,5 %. In der Business Class stiegen sie auf westeuropäischen Strecken um 0,6 % und in der Restricted Business Class um 5,8 %. Die Teuerungen sind auf Preisanstiege auf einigen Strecken zurückzuführen.
Frankreich: Die Tarife ab Frankreich zeigten auch im dritten Quartal leichte Bewegung, womit sich die Tarifsteigerungen über das Jahr gesehen langsam eingependelt haben. Tarife nach Nordamerika sind stabil geblieben und innerhalb Europas nur leicht gesunken. Zu weltweiten Zielen sanken im Quartalsvergleich die Tarife in der Business Class lediglich um 0,3 %, in der Restricted Business Class um 0,8 % und in der Economy Class um 2,8 %.
Italien: Auch bei Flügen ab Italien sind die Tarife stabil geblieben, mit Ausnahme einer Preissenkung um 7,6 % seit dem zweiten Quartal in der Restricted Business Class. Auf westeuropäischen Strecken verteuerten sich die Tarife in der Economy Class im Quartalsvergleich mit 2,9 % leicht.
Schweden: Insgesamt zeigten die Tarife für Flüge ab Schweden weiterhin leichte Schwankungen in der First, der Business und der Restricted Business Class. Allerdings sanken sie in der Economy Class seit dem zweiten Quartal um 4 %.
Niederlande: Nur geringfügige Bewegung gab es im dritten Quartal bei den Flugtarifen ab den Niederlanden. Im Vergleich zum zweiten Quartal verteuerten sich die Preise in der Economy Class gerade mal um 1 %, in der Business Class kletterten sie um 2,1 % und in der Restricted Business Class verbilligten sie sich um 3,5 %.
Spanien: Mit Ausnahme der Verbilligung des Tarifs in der Restricted Business Class um 13,5 % im dritten Quartal, pendelten sich die Tarife ab Spanien weiter ein. So sind die Preise in der Restricted First Class gleich geblieben, in der Business Class leicht um
0,9 % gesunken und in der Economy Class um nur 1,5 % gestiegen.
Die folgende Tabelle verdeutlicht die Tarifsenkungen in der Restricted Business Class und der Economy Class ab einzelnen europäischen Ländern. Die Business Class Tarife zu Zielen in Westeuropa und nach Nordamerika sind weitgehend stabil geblieben.
Tarifentwicklungen für Flüge von einzelnen europäischen Ländern nach Nordamerika und zu westeuropäischen Zielen
| |
|
Economy Class |
Business Class |
Restricted Business Class |
| |
|
Quartals-vergleich |
Jahres-vergleich |
Quartals-vergleich |
Jahres-vergleich |
Quartals-vergleich |
Jahres-vergleich |
| Von |
Nach |
| Deutschland |
Nordamerika |
0,4% |
8,3% |
-0,7% |
9,8% |
-6,3% |
5,8% |
| |
Westeuropa |
-8,5% |
-9,8% |
0,6% |
5,1% |
5,8% |
27,9% |
| Großbritannien |
Nordamerika |
-0,2% |
5,0% |
0,8% |
6,6% |
-27,1% |
18,3% |
| |
Westeuropa |
-14,8% |
-22,0% |
-1,2% |
|
7,0% |
-3,2% |
| Frankreich |
Nordamerika |
-1,7% |
8,3% |
0,0% |
1,9% |
|
|
| |
Westeuropa |
-3,4% |
0,3% |
-0,3% |
4,9% |
-1,4% |
2,6% |
| Italien |
Nordamerika |
3,6% |
3,8% |
0,5% |
10,0% |
-0,6% |
8,3% |
| |
Westeuropa |
2,9% |
-5,0% |
0,8% |
4,2% |
-10,8% |
1,8% |
| Spanien |
Nordamerika |
8,7% |
5,1% |
-1,7% |
11,2% |
|
|
| |
Westeuropa |
0,4% |
8,4% |
-0,5% |
4,9% |
-8,7% |
-0,5% |
| Schweden |
Nordamerika |
0,0% |
5,7% |
0,0% |
|
|
|
| |
Westeuropa |
-4,1% |
-4,0% |
-2,6% |
2,4% |
-2,6% |
-4,8% |
| Niederlande |
Nordamerika |
2,1% |
6,1% |
2,3% |
10,9% |
|
|
| |
Westeuropa |
0,7% |
0,8% |
3,1% |
8,0% |
1,4% |
7,9% |
„Die Tarife in der Restricted Business Class sind im dritten Quartal besonders für Fernflüge gesunken. Geschäftsreisende, die Restriktionen in Kauf nehmen, wie minimaler Aufenthalt oder Rücktrittsgebühren, können spürbare Einsparungen erzielen – möglich sind 40 bis 50 Prozent bei Langstrecken mit vorheriger Buchung“, erklärt Atrak.
Fluggesellschaften unter Druck
Im dritten Quartal sind die Flugtarife in Europa gefallen oder stabil geblieben. Dies ist auf die Billigfluggesellschaften zurückzuführen, die die traditionellen Airlines weiter unter Druck setzen. Dieser Wettbewerbsdruck wird auf den Kurzstrecken deutlich. Betrachtet man einzelne Märkte, sind diese Trends noch offensichtlicher. Dies gilt insbesondere in Großbritannien, wo Billigfluggesellschaften bereits Fuß gefasst haben.
Insgesamt wächst der Marktanteil der Billiganbieter stetig. Viele nehmen den etablierten Airlines nach und nach Marktanteile ab und haben bereits eine bedeutende Position in ihrem Markt erreicht. So hat zum Beispiel Ryanair im Hinblick auf die Börsenkapitalisierung jüngst Lufthansa in Europa übertroffen. In den USA ist Southwest inzwischen die sechstgrößte Fluggesellschaft. Der Marktanteil der Passagiere, die Billigfluggesellschaften nutzen, ist in den letzten zehn Jahren in den USA von 5 % auf 15 % und in Großbritannien von null auf 20 % gestiegen.
Dazu Atrak: „Die Billigfluggesellschaften haben bereits die Flugbranche und das Verhalten der Geschäftsreisenden beeinflusst. In einigen europäischen Märkten mussten die traditionellen Fluggesellschaften ihre Geschäftsmodelle neu bewerten, um die Zielgruppe der neuen, kostenbewussten Geschäftsreisenden zu halten.“
In einigen Märkten geben die Billigfluggesellschaften – wie Jet Blue in den USA oder easyJet in Großbritannien – an, dass Geschäftsreisende mehr als 50 % ihrer Einnahmen ausmachen. Southwest in den USA hat jüngst seine One-way-Tarife um 25 % gesenkt, um mehr Geschäftsreisende anzulocken. Traditionelle Fluggesellschaften, besonders in Deutschland, Großbritannien, Kanada und Neuseeland, übernehmen die Strategien der Billigfluggesellschaften, um zu überleben.
„Unternehmen erkennen mehr und mehr, dass es für sie günstiger sein kann, den niedrigsten Tarif für ein Ticket zu nutzen, als auf die mit bevorzugten Leistungsträgern vereinbarten Preise angewiesen zu sein. Es ist ein Käufermarkt und es ist offensichtlich, dass die Passagiere das Sagen haben“, so Atrak. „Zu dieser Situation ist es durch die Entstehung der Billiganbieter gekommen, welche bei den traditionellen Airlines auch zu dem Angebot besonders günstiger Tarife oder der Neugestaltung der gesamten Tarifstruktur geführt hat. Fluggäste können nur von diesem Preiskrieg, den die Fluggesellschaften austragen, nur profitieren.“
Billiganbieter wirken sich besonders auf den deutschen Flugmarkt aus
Die Tarife ab Deutschland waren im dritten Quartal Schwankungen ausgesetzt, denn deutsche Fluggesellschaften haben die Tarife gesenkt, um dem anstehenden Wettbewerb durch Billigfluggesellschaften die Stirn zu bieten. So hat der Billiganbieter Eurowings sein Geschäft aufgenommen. Germanwings bedient seit Beginn des Winterflugplanes am 27. Oktober 2002 einige europäische Destinationen vom Flughafen Köln/Bonn aus.
Die durchschnittlichen Economy Class Tarife von Deutschland zu westeuropäischen Zielen zeigten deutliche Fluktuationen: sie fielen im Quartalsvergleich um 8,5 % und im Jahresvergleich im 9,8 %. Diese Tarifsenkungen wirkten sich auch auf Flüge zu weltweiten Zielen aus. Economy Class Tarife von Deutschland in die weite Welt fielen, angetrieben durch die Tarifänderungen in Westeuropa, im Quartalsvergleich um 6,5 %. Die Preise in der Restricted Business Class sind dagegen im selben Zeitraum nur um 1,2 % gestiegen.
Die Unterschiede bei den Tarifen in einzelnen europäischen Ländern werden deutlich, wenn man die kompletten Kosten für eine typische Geschäftsreise betrachtet. Die Kosten pro Reise zeigen den Einfluss der derzeitigen Unsicherheiten im Markt. In ganz Europa sind die Kosten für Geschäftsreisen ab/zu wichtigen Städten gesunken – mit Ausnahme von Großbritannien. Während sich geschäftliche Treffen in Frankfurt am Main, Paris, Rom und Madrid seit dem zweiten Quartal verbilligt haben, sind die Kosten pro Reise nach London auf hohem Niveau relativ stabil geblieben.
„Unternehmen wissen den Wert von Geschäftsreisen zu schätzen und nutzen dabei die Vorteile der gesunkenen Kosten pro Reise“, erläutert Atrak.
Durchschnittliche Kosten pro Reise im europäischen Vergleich im 3. Quartal 2002 (in Euro)*
| Stadt |
Q2 2002 |
Q3 2002 |
Q-vs-Q Veränderung in % |
| Frankfurt |
4.483 |
4.479 |
-0,1% |
| London |
4.567 |
4.643 |
1,7% |
| Paris |
4.524 |
4.409 |
-2,5% |
| Rom |
5.239 |
5.172 |
-1,3% |
| Madrid |
5.078 |
5.067 |
-0,2% |
* Basis: vier Personen, die für zwei Tage in diese Stadt reisen, wobei jeweils eine Person aus einer der anderen Städte anreist. Die Analyse umfasst einen Flug in der Business Class, eine Taxifahrt (hin und zurück), eine Übernachtung in einem Mittelklassehotel und ein Abendessen.
Ein Blick in die Zukunft
Ein Jahr nach den Ereignissen vom 11. September sind Reiseaufkommen und Auslastung nach wie vor geringer als 2001 – um 10,1 % bzw. 13 %. Die Auslastung auf Flügen innerhalb Westeuropas ist im Vergleich zum selben Zeitraum in 2001 um 12,8 % zurückgegangen und nach Nordamerika um 22 %.
Dazu Atrak: „Wir gehen davon aus, dass die Auslastung auf diesem geringen Niveau bleiben wird, bis der Markt sich erholt hat. Allein in den USA hat sich die Zahl der Flugzeuge, die auf ihren Einsatz warten, auf mehr als 2.000 erhöht. Diese Überkapazität wird für niedrige Tarife sorgen, bis der Markt wieder gestärkt ist.“
Vor dem Hintergrund der geschwächten wirtschaftlichen Lage ist es wahrscheinlich, dass die Konsolidierung in der Flugbranche zunehmen wird. Diese Entwicklung wird durch die Europäische Kommission gestützt, die in diesem Jahr verschiedene Allianzen genehmigt hat. Dadurch können Fluggesellschaften ihre Abdeckung auf Langstrecken verbessern und in Märkte eindringen, die für sie sonst ungenutzt bleiben würden. Es wird sich zeigen, ob dies die Position der traditionellen Airlines gegenüber den Billigfluggesellschaften stärken wird.
Allianzen im Flugbereich streben zudem nach Initiativen, um die Verbindung zwischen den Mitgliedern zu festigen und somit den derzeitigen Schwierigkeiten in der Flugbranche entgegenzuwirken. So hat die Star Alliance die Aufnahme von LOT Polish Airlines, Asiana und Spanair in 2003 genehmigt. Atrak jedoch kommentiert: „Unternehmen vertreten den Standpunkt, dass sich die Kostenreduzierungen durch Allianzen noch nicht in Form von niedrigeren Tarifen ausgewirkt haben.“
|
|
|
|
|
|